Siddhartha und die Schale des Mitgefühls
- Daomonk- Michu
- vor 5 Tagen
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Siddhartha wanderte eines Tages durch ein Dorf am Rande des Waldes.
Die Menschen hatten von ihm gehört und kamen, um ihm zu begegnen.
Sie brachten Speisen dar – Reis, Früchte, Gemüse und Brot.
Unter ihnen war auch ein Mann, der es gut meinte,
doch die Gewohnheiten der Sangha nicht kannte.
Er brachte Fleisch als Gabe mit.
Eine Frau flüsterte ihm zu:
„Die Gemeinschaft Siddharthas lebt ohne Fleisch.“
Der Mann erschrak und wollte es selbst verstehen.
Zögernd trat er zu Siddhartha und sagte:
„Meister, ich habe Fleisch für dich gebracht.“
Siddhartha sah ihn ruhig an und deutete ihm, sich zu setzen.
Der Mann, nun neben ihm sitzend, fragte leise:
„Meister … ist Nahrung nicht einfach nur Nahrung?“
Siddhartha stellte die Schale behutsam beiseite und sagte ruhig:
„Alles, was lebt, sucht Glück und fürchtet Schmerz.
Wie könnte mein Weg zur Befreiung führen,
wenn er auf dem Leid eines anderen Wesens ruht?“
Der Mann wandte ein:
„Aber die Welt ist voller Leiden. Können wir allem entgehen?“
Siddhartha blickte in den Wald,
wo ein Reh zwischen den Bäumen stand.
„Wir können nicht alles Leid verhindern.
Aber wir können verhindern,
selbst zur Ursache zu werden.“
Der Mann fragte leise:
„Ist das der Weg des Erwachens?“
Siddhartha nickte.
„Wer den eigenen Hunger stillt, mag satt werden.
Wer das Leid anderer achtet, nährt das Herz.“
Der Mann senkte den Kopf.
Von diesem Tag an wählte er Nahrung,
die Leben bewahrte

