Die Natürlichkeit der Tiere
- Gongan - Koans
- 30. Jan.
- 1 Min. Lesezeit
Ein Schüler fragte Meister Weizhen: „Meister, ist der Mensch dem Tier überlegen?“
Weizhen sah ihn ruhig an und fragte: „Was nennst du Überlegenheit? Andere mit Gewalt zu knechten?“
Der Schüler erschrak. „Nein, Meister. Das sicher nicht.“
Weizhen fuhr fort: „Ist es Überlegenheit,wenn der Mensch meint, die Welt nach seinem Bild formen zu dürfen?“
Der Schüler schwieg einen Moment.
Dann sagte er leise: „Das wäre Blasphemie …“
Weizhen nickte. „Oft glaubt der Mensch, er wisse, was er tut. Doch er sieht nicht, was er erschafft. Und er wundert sich, wenn die Natur sich selbst heiltund seine Werke wieder vergehen.“
Der Meister zeigte auf einen Vogel, der still auf einem Ast saß.
„Die Tiere lehren uns etwas Einfaches:
Natürlichkeit bedeutet, zu sein,
ohne Maßlosigkeit,
ohne Überhebung,
ohne das Bedürfnis,
die Welt zu beherrschen.“
Der Schüler verneigte sich.

