Die zwei Klöster
Ein junger Mönch wanderte durch die Berge und suchte einen Ort für seine Praxis und Einkehr.
Am Abend erreichte er ein Kloster. Die Mönche saßen beisammen, aßen reichlich und verbrachten die Zeit mit Gesprächen.
Niemand meditierte, niemand studierte, niemand übte.
„Warum übt ihr nicht?“, fragte der junge Mönch.
Ein wohlgenährter Abt lächelte und antwortete:
„Erkenne die Leichtigkeit. Morgen ist auch noch ein Tag.“
Der junge Mönch blieb über Nacht.
Am nächsten Morgen stand er früh auf und verrichtete seine Praxis. Als er fertig war, schliefen noch viele Mönche. Einige waren bereits wach, doch nur wenige übten.
Erstaunt darüber verabschiedete er sich höflich und zog weiter.
Am folgenden Abend erreichte er ein zweites Kloster.
Dort war es still. Einige Mönche meditierten, andere studierten, wieder andere arbeiteten schweigend im Garten.
„Warum strengt ihr euch so an?“, fragte der junge Mönch.
Da kam ein alter, Abt leichtfüßig den Weg entlang. Er lächelte und sprach:
„Erkenne die Wahrheit im Tun. Morgen ist vielleicht kein Tag mehr.“
Der junge Mönch verneigte sich und blieb.
Am nächsten Morgen stand er früh auf. Als er den Übungsplatz betrat, waren bereits alle Mönche wach und hatten mit ihrer Praxis begonnen.
So blieb der Reisende viele Jahre. Schließlich wurde auch er ein alter Meister.
Eines Tages kam ein junger Schüler zu ihm und fragte:
„Meister, woran erkennt man eine edle Gemeinschaft?“
Der alte Meister antwortete:
„Sieh nicht auf ihre Worte.
Sieh darauf, was die Jüngsten tun.
Dort zeigt sich, welchem Beispiel die Ältesten folgen.“






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